Ist es wahr, teuerste Lotte? Darf ich hoffen, dass Caroline in Ihrer Seele gelesen hat und aus Ihrem Herzen mir beantwort hat, was ich mir nichtgetraute, zu gestehen? O wie schwer ist mir dieses Geheimnis geworden, das ich, solange wir uns kennen, zu bewahren gehabt habe!
Oft, als wir noch beisammen lebten, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und kam zu Ihnen, mit dem Vorsatz, es Ihnen zu entdecken - aber dieser Mut verliess mich immer. Ich glaubte, Eigennutz in einem Wunsche zu entdecken, ich fĂŒrchtete, dass ich nur meine GlĂŒckseligkeit dabei vor Augen hĂ€tte, und dieser Gedanke scheuchte mich zurĂŒck. Konnte ich Ihnen nicht werden, was Sie mir waren, so hĂ€tte mein Leiden Sie betrĂŒbt, und ich hĂ€tte die schöne Harmonie unserer Freundschaft durch mein GestĂ€ndnis zerstört, ich hĂ€tte auch das verloren, was ich hatte, Ihre reine und schwesterliche Freundschaft. [âŠ]
Vergessen Sie jetzt alles, was Ihrem Herzen Zwang auflegen könnte, und lassen Sie nur Ihre Empfindungen reden. BestĂ€tigen Sie, was Caroline mich hoffen liess. Sagen Sie mir, dass Sie mein sein wollen, und dass meine GlĂŒckseligkeit Ihnen kein Opfer kostet, O versichern Sie mir dieses, und nur mit einem einzigen Wort. Nahe waren sich unsere Herzen schon lĂ€ngst. Lassen Sie auch noch das einzige Fremde hinwegfallen, was sich bisher zwischen uns stellte, und nichts die freie Mitteilung unserer Seelen stören. [âŠ]
- Erster Eindruck
- Analyse
- Spekulation: Inwiefern wurde Schillers Entscheidung fĂŒr Charlotte durch Caroline beeinflusst?
Schillers Meinung zu Charlotte:
- âO wie schwer ist mir dieses Geheimnis geworden, das ich, solang wir uns kennen, zu bewahren gehabt habeâ
- Oft [âŠ] nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und kam zu Ihnen, mit dem Vorsatz, es Ihnen zu entdecken - aber dieser Mut verliess mich immerâ
- âwas ich mir nichtgetraute, zu gestehenâ
- âIst es wahr [âŠ]?â
- âich hĂ€tte auch das verloren, was ich hatteâ
Schiller an Charlotte von Lengefeld
03.08.1789
Ausschnitt aus Brief â FlieĂtext
bildliche, direkte Sprache
sehr emotional
komplexer Satzbau đđâ ïž
Symbol
- âHerzâ fĂŒr Liebe
Metapher
- âin Ihrer Seele gelesenâ
- âaus Ihrem Herzen mir beantwortetâ
- âNahe waren sich unsere Herzen schon lĂ€ngstâ
- âLassen Sie auch noch das einzige Fremde hinwegfallenâ
Personifikation
- âlassen Sie nur Ihre Empfindungen redenâ
- ânichts die freie Mitteilung unserer Seelen störenâ
Interjektionen